Glücklich?!

Nachts am weit geöffneten Fenster stehen und in die Dunkelheit schauen ist keine Seltenheit bei mir. 

Ich lasse meine Gedanken reisen. Das heißt, sie verwandeln sich in Landschaften, Menschen, oder Gerüche und überbringen mir ihre Geschichten. Eine Art Gabe könnte man meinen.

Und jetzt im Winter gibt es zahlreiche Geschichten die sie mir erzählen.

Und ich höre einfach zu und bin glücklich . 

Glücklich. Ein Wort, das ich selten verwende, weil ich es viel zu selten bin. Ich weiß nicht wann ich zuletzt glücklich war, aber dafür dass ich es viel zu oft nicht bin.

Aber jetzt bin ich es. Und der Grund ist einfach die kindliche Freude über den Winter. Ich liebe den Winter . 

Aber zugegebenermaßen habe ich ihn die letzten Jahre hassen gelernt. Die frühe Dunkelheit und die Kälte vermischten sich mit meinen Depressionen und hinterließen ein toxisches Gemisch, mit dem Geschmack von Tod.

Leere. Und Angst. Das verspürte ich, wenn ich an die graue Jahreszeit dachte. Die dichten Flocken und der dunkle Himmel ließen dazwischen keinen Platz zum Atmen. 

Keinen Platz für mich. Ich fühlte mich erdrückt und alleine. Was bringt einem jede Wohnung der Welt wenn sie kein Zuhause ist?!

Silvester. Mein absoluter Hasstag. Ich liebe Feuerwerke, deswegen konnte ich ihn nicht verschlafen aber nie fühlte ich mich so einsam. Nicht mal an den allein verbrachten Weihnachtstagen. Mit den Funken fiel jedes mal meine Hoffnung mich im nächsten Jahr vielleicht nicht so alleingelassen zu fühlen. 

Die Lösung dafür suchte ich meist am Grund einer Flasche.  

Vor drei Jahren fand ich Silvester scheiße. Vor zwei, war ich bereit zu sterben und vor einem Jahr war ich endlich angekommen. 

Das Gefühl haben angekommen zu sein. Ich denke das habe ich jetzt. Denn ich freue mich. Ich freue mich endlich wieder auf meine Lieblingsjahreszeit. Auf den Schnee, die Spaziergänge, Weihnachten 

und vorallem auf Silvester!

Und das stimmt mich glücklich. Nimm das Depression und steck ees dir in deinen faltigen Arsch! Ha!

Ich meine, es ist noch lange nicht alles gut, aber ich renne endlich wieder freudig raus, wenn es schneit und das habe ich lange Zeit an mir selbst vermisst. 

Und ich denke, das ist alles was ich gerade verlangen kann. Und das genügt. Ich genüge.

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Der erste Schnee.

Es ist vier Uhr in der Nacht und ich sitze schlaflos in meiner dunklen Wohnung.

Schaue aus dem Fenster und sehe den Schneeflocken zu, wie sie langsam herunterschweben und die Straße benetzen. Der erste Schnee dieses Jahr. Aber ich kann mich nicht freuen. Denn du bist nicht bei mir. 

Ich muss die ganze Zeit an dich denken. Du bist gerade bei ihr. Ich weiß es.Liegst neben ihr im Bett.Oder auf ihr. Und machst es vermutlich gerade mit ihr. Berührst sie, so wie du es mit mir immer getan hast. Machst du’s mit ihr wie du’s mit mir gemacht hast?

Mein Gedanken beginnen immer weiter zu kreisen und verlieren sich in dem leeren Weinglas vor mir.

Es entstehen Bilder. Bilder wie sie dich dabei anschaut und langsam ihre Lippen auf deinen niederlässt. Und Bilder von dir, wie du es nur genießt, deine Augen zuschlägst und keinen Gedanken an mich verschwendest. Ich sehe das leicht dreckige Grinsen förmlich vor mir und es versetzt mir einen Stich in mein Herz.

Du verkaufst mich für so dumm. Denkst du echt ich hätte es nicht gemerkt. Die kleinen „zufälligen“ Berührungen, das verstohlene Lächeln von ihr.

Es schnürt mir den Atem ab. Ich kann nicht aufhören daran zu denken was du mit ihr machst.

Gerade als ich drohe in dem Glas vor mir zu ertrinken springe ich auf schnappe mir meinen Mantel und laufe raus auf die Straße. 

Der Schnee benetzt sofort Haare und Kleidung. Ich kann nicht mehr atmen. ringe solange um Luft, bis ich sie endlich brennend eisig in meiner Lunge spüren kann. 

Scheiße. Ziellos fange ich an durch die dunkle Nacht zu laufen. Der Schnee knartscht unter meinen Stiefeln. Zittrig krame ich eine Zigarette aus meiner Tasche und zünde sie an. Meine Sicht verschwimmt ein wenig. Zu viel Alkohol mal wieder.

Was machst du gerade mit ihr?

Ich betrinke mich einsam und alleine während sie dich gerade vermutlich verführt. Bilder wie kleine Blitze in meinem Kopf. Wie ihre Hände über deinen bebenden Körper gleiten. Ist es nur Sex oder bringt sie dich auch so zum lachen wie ich? Berührt sie dich so wie ich oder nur deinen Körper? Denkst du dabei manchmal an mich?

Mein Kopf zerspringt, mir ist speiübel. Während sich noch alles um mich herum dreht schaffe ich es gerade noch meine Haare zurück zu halten, bevor ich mich in den weißen Schnee übergebe. Sie ist toll. und insgeheim weiß ich dass sie dir genau das geben kann was ich nie konnte. Sie ist die naive Optimistin und nicht so dunkel und verdreht wie ich.

Ich höre wie ihr lacht. Laut in meinem Kopf. So laut dass es in meinen Ohren klingelt. Sehe eure Blicke. 

Wieder laufe ich weiter durch die Nacht. Habe schon lange die Orientierung verloren.

Es tut wieder weh. ich kann es nicht ändern mir vorzustellen wie du sie fickst und ihr „Ich liebe dich.“ ins Ohr flüsterst.

So wie mir.

Du bist nicht mehr bei mir. Bleibst aber in meinem Kopf. Verfolgst mich immer weiter und quälst mich.