Bad Day Or Bad Life?

Bad day or bad life?

Ich nehme einen tiefen Zug von meiner Zigarette, stoße den Rauch aus in die Nachtluft und lasse die Hand wieder sinken. Aber nicht ohne vorher einen Blick über meine blauen Finger schweifen zu lassen. Ist es wirklich so kalt? Ich habe keine Ahnung. Ich spüre es einfach nicht. Zitternd ziehe ich mein Handy aus der Hosentasche. Fast drei Uhr morgens und ich habe nichts Besseres zu tun als auf meiner Dachterrasse zu stehen und eine Zigarette nach der anderen zu rauchen. Mein Leben erscheint mir gerade wieder besonders wertlos. Seufzend stecke ich das Handy wieder weg und schaue stattdessen gen Himmel. Verwirrt verziehe ich mein Gesicht. Wann hat es denn angefangen zu schneien? Okay, nichts Besonderes im Januar, aber ich habe gar nicht bemerkt, dass mein schwarzer Mantel mittlerweile weiß gefärbt ist. Bekomme ich überhaupt noch irgendetwas um mich herum mit? Vielleicht ist es wirklich langsam Zeit, zurück in meine Wohnung zu gehen. Aber wozu? Sie ist leer, ich wäre wieder allein und die Gedanken würden zurück kommen. Es ist so unglaublich schwer ihnen zu entfliehen. Ich würde kein Auge zumachen, mich letztendlich doch nur in Alkohol flüchten.

Angewidert schnippe ich den Zigarettenstummel auf den Boden. Wann habe ich mir das eigentlich angewöhnt? Ach richtig, als ich es geschafft habe mich zu verlieben. Unerwidert. In meinen besten Freund Alex. Ich lache auf. Was hatte ich mir dabei nur gedacht, hatte ich wirklich erwartet er würde mich vom Rauchen abhalten? Na ja… Er wäre der einzige gewesen, der es gekonnt hätte. Aber er tat nichts dergleichen. Ich wäre ja alt genug um selbst zu wissen, was richtig war. Seine Abneigung konnte man an seinem herablassenden Ton aber dennoch erkennen.

Ich zögere kurz, zünde mir dann aber die nächste Zigarette an – Schließlich bin ich alt genug.

Ich lasse den Rauch in die kalte Nacht entweichen und widme mich weiter meinen Gedanken.

In Alex bin ich jetzt schon lange verliebt, aber es ist klar, dass er nicht mehr als Freundschaft für mich empfindet. Und die jahrelange Freundschaft will ich für ein Geständnis auch nicht opfern. Am Anfang kam ich damit klar, aber der Drang ihm alles zu gestehen, damit ich wenigstens sicher sein kann, dass er mich nicht liebt, wird immer größer.

Nur einmal die Maske abnehmen und meine sorgfältig aufgebaute Mauer bröckeln lassen. Aber ich bin zu sehr in der Rolle, kann meine Maske nicht mehr abnehmen ohne Fetzen meiner Haut mit zu entfernen. Mein Kartenhaus darf nicht einstürzen.

Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen und merke, dass mir stille Tränen über die Wangen laufen. Immer so tun, als ob man stark wäre. Das Lächeln fälschen und falls jemand, mich fragt wie es mir geht alles auf die Müdigkeit schieben. Bloß überarbeitet. Und je öfter man sich in diese Ausreden flüchtet, umso mehr glaubt man es auch selbst. Für einen Moment jedenfalls. Einfach Lachen und sagen „Hab wieder zu lange aufgenommen.“ Am besten noch YOLO dranhängen. Wenn ich die Situation lächerlicher gestalte, glauben sie mir eher. Mittlerweile kennen alle mein falsches Lächeln, eher sind sie verwundert wenn sie ein wahres zu Gesicht kriegen, aber das kommt eh nicht mehr vor.

Und abends? Da liege ich im Bett und kann nicht schlafen, weil mein Kopf dank der Probleme zu explodieren droht.

Ich dachte, ich würde mit der Zeit stärker werden, aber man wird nur kälter, jedes Mal stirbt ein Stück von mir und mit ihm das Gefühl der Wärme und des Vertrauens. Ich habe mein Herz hinter einer Mauer aus Eis versteckt und frage mich selbst, wie es nur so weit kommen konnte. Ich bin mit den Nerven am Ende und wenn nur eine Kleinigkeit schief geht bin ich kurz davor aufzugeben. Aber jedes Mal mache ich weiter mit meiner perfekten Show. Wenn es mit meinem Job nicht mehr klappt sollte ich Schauspieler werden. Ein müdes Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht, während ich mir eine neue Zigarette anstecke.

Ich wünschte, es gäbe eine Tablette um all das zu vergessen, den Schmerz nicht mehr zu spüren, ihn endlich nicht mehr zu lieben. Denn auch wenn ich es versuche, der Schmerz lässt nicht nach. Ich bin im Dunkeln gefangen, kann kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Wird es überhaupt ein Ende geben?

Ich brauche endlich ein Mittel, dass meine Emotionen verschwinden lässt. Glaubt mir ich würde alles dafür geben.

Ich sitze nur hier, gespalten von mir selbst und kämpfe gegen weitere Tränen an, aber mir ist bereits klar, dass ich auch diesen Kampf verlieren werde. Vielleicht werde ich ja irgendwann darüber hinweg kommen. Man sagt ja Zeit heilt alle Wunden, aber das stimmt nicht. Man gewöhnt sich nur an den Schmerz. Die offensichtlichen Verletzungen werden verschwinden, aber es werden Narben bleiben die mich immer daran erinnern was einmal gewesen ist.

Meine Tränen sind mittlerweile getrocknet, aber mein Herz weint weiter und die Sehnsucht nach Alex Stimme nimmt zu. Vielleicht kann ich ihn ja anrufen. Wahrscheinlich nimmt er noch auf. Seine Videos. An denen er immer nachts sitzt. Aber so könnte ich wenigstens kurz seine Stimme hören. Ich zücke mein Handy und wähle seine Nummer.

Während es klingelt drücke ich die Zigarette aus und lausche dem gleichmäßigen Piepen.

Es macht mich nervös und ruhig zugleich.

Als auch nach einer Minute keiner abnimmt lege ich auf, nur um nach einer Sekunde Überlegung die Wahlwiederholung zu drücken. Diesmal muss ich nicht so lange warten, nach dem dritten klingeln nimmt mein bester Freund den Anruf entgegen. „Was gibt’s Kleine? Fass dich kurz, ich nehme gerade auf.“ Der Spitzname ist so vertraut, aber dennoch versetzt er mir einen leichten Stich.

Ich…“ beginne ich, breche aber wieder ab um mich zu räuspern, „Ich wollte nur mal hören wie es dir geht.“

Ich höre wie Alex seufzt. „Das ist alles? Ernsthaft? Geh schlafen, es ist spät.“ bevor er auflegen kann ergreife ich schnell das Wort. „Sehen wir uns morgen?“ Kurze Pause. „Morgen treffe ich mich mit Jana, wir gehen ins Kino und anschließend noch Essen… ich freue mich echt, sie wieder zu sehen, eigentlich müsste ich sie mal wieder zu mir einladen. Einfach eine klasse Frau!“

Hab‘s schon kapiert, dann halt nicht.“

Schlechten Tag gehabt?“

…Ja!“ Ich ziehe den Mantel enger um mich, es ist doch verdammt kalt. „Ich bin…einfach müde.“

Kein Ding, alter, ist ja nur ein schlechter Tag und kein schlechtes Leben.“ Ich höre ihn leise lachen.

Hmm…“ mache ich nur und fummele an der Naht meiner Hose herum.

Dann bis Freitag“ verabschiedet sich Alex und lässt mich gar nicht mehr zu Wort kommen.

Auch ich lege auf und stecke das Handy weg.

Und morgen? Morgen werde ich wieder aufstehen, weiterhin ein Schauspieler in meinem Leben sein und so tun als ob es nur ein schlechter Tag und kein schlechtes Leben ist.

 

Your fingertips across my skin

Du und ich. Zusammen. Dein Lachen. Diese Erinnerungen. Ich werde sie nicht mehr los. Deine Finger auf meiner Haut. Deine Wärme, wenn du mich in den Arm nahmst. Den Halt und die Geborgenheit, die du mir gabst. Verdammte Bilder. Lassen sich nicht aus meinen Gedanken vertreiben. Jeder Augenblick hat sich fest gebrannt.

Wir haben Fehler gemacht. Ich weiß. Haben auf die falschen Dinge gesetzt und versagt. Vielleicht hätten wir es wieder hinbekommen, aber ich habe zu lange gewartet. Meine Chance verspielt.

Habe die Klippe zwischen uns erst bemerkt, als sie bereits zu groß war um hinüber zu kommen.

Und jetzt steh ich hier und will dir nur sagen, es tut mir leid. Ich war zu lange weg. Nun ist es zu spät. Wer war ich, dass ich dich hab warten lassen? Ich will dich um keine Chance bitten. Nur um einen Atemzug. Einen Atemzug um dir alles zu erklären. Du weißt, dass ich dich liebe. Dass ich dich immer geliebt habe. Ich vermisse dich.

Ich sehe dich in meinen Träumen. Uns. Zusammen. So wie früher. Wünsche mir, dass du niemals gehst. Ich halte den Atem an. Probiere den Moment festzuhalten. Aber ich bin zu spät. Hätte alles geben sollen, als ich noch die Chance dazu hatte. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, glaub mir, ich würde dich halten. Würde mit dir die Hölle überstehen. Würde alles geben. Für uns. Aber ich war zu lange weg. Es tut mir leid.

Auf meinen Knien bitte ich dich nun um einen letzten Tanz. Halt mich fest und lass mich nicht mehr los. Tu das was ich hätte tun sollen, als ich noch die Chance dazu hatte.

Lass mich hören wie du es sagst. Dass du mich liebst. Mich immer geliebt hast. Mir vergibst, dass ich zu lange weg war.

Glaub mir, du wirst es nicht bereuen. Denn ich würde dich nie wieder gehen lassen.

Du hast gesagt…

Du hast mal gesagt, du liebst mein Lächeln.

Ist dir nicht aufgefallen, wie lange es nun schon aus meinem Gesicht gewichen ist?

Interessiert es dich überhaupt?

Du hast gesagt du brauchst Abstand. Und das Schlimmste für mich ist, ich weiß nicht ob ich vermisst oder vergessen werde.

Wenn du mich ansiehst spüre ich nichts mehr von deiner Zuneigung von deiner Wärme. Du bist schon viel zu lange zu ausdruckslos. Und verdammt könnte ich dir gegenüber doch auch so kalt sein. So kalt und undurchschaubar. Aber es geht nicht, ich bin wie Glas für dich du kannst so einfach in mein Innerstes schauen, vergisst dabei aber ganz wie zerbrechlich ich eigentlich bin.

Jede Sekunde ohne dich ist nicht lebenswert. Und das zerbricht mich, frisst mich langsam von Innen auf nimmt mir meine ganze Wärme und lässt mich in der eiskalten Dunkelheit stehen. Es ist so eiskalt wie du es bist. Ich bin kurz davor gänzlich auseinander zu fallen. Lediglich gehalten durch eine Maske die ich nicht mehr abnehmen kann.

Und durch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass alles wieder gut wird, wieder normal. Dass die Schlucht zwischen uns sich schließt und wir einfach wieder befreundet sein könnten. Wenigstens das.

Ich weiß wie dumm es ist daran festzuhalten. Du hast mir schließlich oft genug gezeigt, dass ich mir keine Hoffnung mehr machen brauche. Egal. Es dauert eh nicht mehr lang, dann ist auch dieser kleine Rest verschwunden. Werde nur noch aus der Lügenmaske bestehen. Eine fein säuberlich aufgebaute Fassade, hinter der ich mich verstecke. Ein Kartenhaus. Viel zu hoch gebaut. Habe meine Karten von Anfang an falsch gesetzt. Und jetzt? Jetzt werde ich meine Fassade nicht mehr los. Ich merke wie ich die Maske nicht mehr entfernen kann, ohne meine eigene Haut mit zu entfernen.

Sollte ich dich dafür nicht hassen?

Schließlich bist du Schuld. Aber egal was ich versuche, es geht nicht. Würdest du mich rufen würde ich auf Knien zu dir an gekrochen kommen. Und dafür hasse ich mich. Unfähig. Unfähig mich durchzusetzen und einen Schlussstrich zu ziehen.

Aber eins weiß ich.

Ich werde in deiner Gegenwart nie wieder lächeln. Damit du nichts mehr hast, in das du dich verlieben könntest.